New Orleans
August 22nd, 2009
Die erste - und wahrscheinlich anstrengenste Woche - ist rum. Was ich von New Orleans (Kurzform: NOLA von New Orleans, LousiAna) war schon sehr beeindruckend. Definitiv eine Stadt mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite das einzigartige Flair, Kultur, Essen, Wetter und das sehr schöne Stadtbild. Dem gegenüber stehen die Narben von Katrina und die hohe Kriminalität. Über letzteres will ich hier aber nicht viel schreiben, schließlich will ich ja keinen in Sorge versetzten und eigentlich ist auch das Risiko durch die Kriminalität durch einfache und klare Regeln zu minimieren.
Aber nun schön der Reihe nach. Angefangen hat alles noch Phoenix, wo es sehr heiß und sehr trocken war. Via Dallas/Ft. Worth (was aus der Luft wie Flensburg aussieht - siehe Bild) ging es dann endlich nach New Orleans, wo es immer noch sehr heiß ist, aber diesmal eben auch extrem feucht. Wenn man aus dem Flughafen vor die Tür tritt ist etwa so als bekomme man einen heiße, nassen Lappen ins Gesicht geschleudert. Die ersten paar Tage haben wir eigentlich nur damit verbracht eine Unterkunft zu finden. Die Uni hat uns einige Möglichkeiten angeboten, wovon wir dann auch eine genommen haben nach intensiver Recherche im freien Markt. So wohnen wir nun in unserem eigenen Haus, 20 Minuten zu Fuß/ 5 Minuten mit dem Fahrrad von der Uni entfernt. Mit wir meine ich Thomas, Torben (Dänemark) und Karin (Österreich). Adresse gibt es auf Anfrage.
Wenn ich jemanden in Europa erzählt habe, dass ich nach New Orleans gehe, habe mich viele Leute gefragt was ich dann dort wolle. Wenn ich jemanden in Los Angeles oder Phoenix erzählt habe, dass ich nach New Orleans gehe habe ich immer Begeisterung hervorgerufen – denn die New Orleans, auch „The Big Easy“ genannt, ist vor allem in den USA für ihre Party-Qualitäten bekannt und berüchtigt. Öffentliches Trinken auf der Straße erlaubt (fast überall woanders in den USA verboten), Bar und Clubs haben bis 6 Uhr morgens offen oder schließen gar nie (fast überall woanders in den USA schließen die Bars um 2 Uhr), Alkohol im Supermarkt (fast überall woanders in den USA gibt es Alkohol nur in extra Läden zu kaufen), rauchen überall erlaubt (fast überall woanders in den USA verboten), man ein Getränk von einer Bar in die andere mitnehmen(fast überall verboten) und vor allem: MARDI GRAS jedes Wochenende, d.h. überall wird zu Lifemusik gefeiert. Die Balkone im French Quarter sind gefüllt und bilden eine Verbindung zu den Parties auf der Straße und in den Bars/Clubs. Viel zu sehen sind auch die Mardi Gras Perlenketten (Beads), die zum Mardi Grass Karneval durch die Gegend geworfen werden (welche dann ganzjährlich in den Bäumen hier hängen bleiben). Neben einer sehr ausgeprägten Partykultur, gibt es auch eine ebenso ausgeprägte Jazzkultur, wobei es hier sicher große Schnittmengen gibt. Überall wird hier Jazz gespielt, aus den Lautsprechern am Flughafen, in den Taxis, Einkaufsmärkten und vor allem natürlich Live in vielen Bars. Das kann man sich dann ungefähr so vorstellen wie es das Titelbild meines Blogs zu suggerieren versucht. Einhergehend damit ist auch der Konsum und das Angebot von Zigarren.
Das Stadtbild von New Orleans enttäuscht meine Erwartungen auch in keinster Weise. Ganz im Gegenteil – alles ist noch extremer als ich es mir vorgestellt habe. In New Orleans – schönste Stadt im Süden der USA und Schmelztiegel verschiedener Kulturen – hat sich ein ganz eigener Flair, ein ganz eigener Stil entwickelt. Das gilt besonders für das French Quarter (für das ich bei Gelegenheit auch mal ordentliche Bilder nachliefern werden, alle Bilder bis jetzt sind eher Zufallsfunde). Aber auch der Rest von NOLA ist gesäumt von alten Häusern im viktorianischem Baustil, Palmen und alten stämmigen Eichen dessen Wurzeln fast überall die Gehwege aufgebrochen haben. Nicht zu vergessen sind die alten Schaufelraddampfer auf dem Mississippi.
Auch eine einzigartige Essenkultur wird hier gelebt – die kreolische Cajun Küche. Das heißt dann „Oyster Estoufè“, „Jambalya“ oder „Gumbo“. Dabei wird viel mit Schrimps, Krabben, Krebsen, Hummer, Krokodil und vor allem Tabasco gekocht - zu sehr fairen Preisen. Besonders Tabasco ist hier sehr populär. In jedem Supermarkt sind eigentlich zehn verschieden Sorten der Soße zu finden, es gibt Tabasco Chips, Majonaise und sogar Tabasco-Kekse und Tabsco- Kuchen. Dazu wird nicht selten „Southern Comfort“ getrunken, einen Whiskey Likör aus New Orleans. Wenn man auf die Flasche schaut kann man den Riverbend erkennen, dem Ort wo der Mississippi in NOLA eine enge Kurve zieht und ungefähr dort, wo die Uni und meine Unterkunft liegt.
Vielleicht nicht einzigartig, aber dafür als sehr extrem kann man das Wetter hier beschreiben. Dieses gilt als sehr unberechenbar hier - es kann sich hier blitzschnell ändern. Z.B. hatten wir letztens auf dem Weg zu Wall Mart noch strahlenden Sonnenschein, als wir dort fertig waren hat es dann so heftig geregnet wie es vielleicht das letzte mal vor 3 Jahren in Flensburg erlebt habe. Was ich aber noch nie erlebt habe ist, dass es wirklich fast 1 1/2 Stunden so heftig durchgeregnet hat. Auf dem Weg nach Hause stand unser Taxi dann fast manchmal bis zu den Türen im Wasser. Unser Vermieter sagte und aber, dass das noch gar nicht gewesen sei im Vergleich dazu was sich noch alles in der jetzt beginnenden Hurrikane Saison abspielen wird. Er berichtet von faustgroßen Tropfen, welche 4-5 Stunden ununterbrochen auf die Erde prasseln sollen. Wir werden sehen. Im Allgemeinen brüllt eigentlich immer irgendwo ein Gewitter, zwei von solchen heftigen Gewittern gibt es momentan fast täglich und die Gewitterwolken türmen sich so hoch auf wie es nie zuhause gesehen habe. Der Regenschirm ist also ein Pflichtutensil hier, genauso wie der Pullover für den Eisschrank namens Tulane University.
Was Hurrikane angeht, ist man hier eigentlich bestens versorgt. Wir hatten hier schon ein Info-Meeting über Hurrikane und mussten uns dort mit einem Rettungsplan registrieren, für dann Fall, das die gesamte Stadt evakuiert werden muss. Sobald ein Hurrikane den Golf von Mexico erreicht, entscheiden die Uni darüber ob evakuiert wird oder ob lediglich die Uni geschlossen wird. Im Evakuierungsfall komme ich aber in Mobile, Alabama bei Freunden meines Mitbewohners unter oder wir werden von der Uni aus in Bussen in eine Sporthalle nach Jackson, Mississipi transportiert. Dies ist dann doch um Welten besser als eine Evakuierung in den Superdome, in dem es während Katrina ja schrecklich gewesen sein muss. Fast keine Hygiene, wenig Wasser und Essen, Raub und sogar Morde sollen sich in der Sporthalle geschehen sein, welche die letzte Zuflucht für die war, die zu spät versucht haben die Stadt zu verlassen. Es gibt aber auch viele Stürme bei denen nicht evakuiert wird. Trotzdem kann da denn schon mal der Strom für mehrere Tage ausfallen, deshalb wird hier geraten genug Wasser, Lebensmittel und Taschenlampen zu lagern (Was wir auch schon getan haben).
Im Allgemeinen hat Katrina die Stadt sehr hart getroffen. Vier Jahre danach ist zwar vieles neu aufgebaut worden, vieles ist aber immer noch im Aufbauprozess, manchmal findet man sogar noch ganze Straßenzüge, die noch voll zerstört sind. Unser Viertel wurde damals nicht so sehr überflutet, da wir hier in Uptown und neben einem Friedhof wohnen, welche aufgrund des hohen Grundwasserspiegels, immer recht hoch liegen muss. Nichtsdestotrotz hat Katrina auch hier ihre Spuren hinterlassen. Ein Tornado (welche in einem Hurrikane entstehen können) hat die Werkstatt von meinem Vermieter plattgewalzt und damit einen Schaden von 80.000 USD angerichtet. Was auch noch sehr auffällt, sind die Codes die damals von der Polizei nach Überprüfung an jedes Haus gesprüht worden sind bevor die Stadt wieder freigegeben worden ist. Ich hab mal den Code von meinem Vermieter fotografiert, welcher folgend decodiert wird: 9-11 ( 11. September, Tag der Überprüfung), BP (Boston Police, damals hat man Polizisten aus den ganzen USA zusammengerufen um alle Häuser zu überprüfen), NE ( No Entry, heißt die Polizisten haben das Haus nur äußerlich gecheckt und haben es nicht aufgebrochen.)
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3 Comments
Add your own1. Uwe | August 24th, 2009 at 16:00
Ich glaub man sagt ja auch:
“If you don’t like the weather in New Orleans, wait an hour!”
Dein Blog und die Bilder gefallen mir sehr gut. Ich werde von Zeit zu Zeit mal reinschaun.
Grüße aus København
Uwe
2. Thorben | August 24th, 2009 at 19:58
uwi, mein Vermieter sagt sogar immer “If you don’t like the weather in New Orleans, wait 20 minutes!”
hoffe bei dir ist alles klar in CPH! Wünsche dir einen guten Start!
3. Jeannine | August 24th, 2009 at 20:14
Hi Thobi,
ich freue mich zu sehen, dass du trotz der meteorologischen Herausforderungen in New Orleans immer noch bester Laune bist.
Sehr interessant und auch Visionen anregend dein Blogeintrag.
Machs weiterhin gut,
Jeannine
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