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Archive for August, 2009

Tulane University

Sonntag, August 30th, 2009

Diesen Eintrag möchte ich gerne ganz meiner Uni widmen – besonders da ich nach meiner Toronto-Berichtserstattung den einen oder anderen Kommentar anhören musste a la: “Du faule Ratte machst ja nur Party, gehst auch mal zur Uni?”.  Zugegeben, Party war kein unerheblicher Teil meines damaligen Exchanges, nur, dass damals nicht meine Noten darunter gelitten haben – Bestnote in fast allen Fächern. Kurz gesagt, die Ausbildung damals in Toronto war für die Tonne.

Auch wenn es viele nicht glaube wollen, aber diesmal hab ich bewusst die Tulane University gewählt, weil diese mir am besten bei der Umsetzung meiner akademischen Ziele helfen kann. Damit das jetzt nicht zu geeky klingt, muss ich natürlich zugeben, dass die kulturellen Aspekte New Orleans’ auch eine gewisse Gewichtung gehabt haben. Leider kommen diese Aspekte viel zu kurz seitdem die Uni richtig angefangen hat – bzw. sie sind gar non-existent. Momentan bringt mich die Uni auf jeden Fall fast um. Überrascht darüber bin ich aber nicht – schließlich sind fast alle meine Kurse aus dem sechst besten Finanz-Studienganges der Welt (Financial Times Ranking). Aber auch hier wird nur mit Wasser gekocht und deshalb denke/hoffe ich das sich dieser enorme Stress bald in gesunden Stress wandeln wird. Der ein oder andere Schlaumeier wird sich jetzt sicher denken, dass der Stress ja gar nicht so schlimm sein kann, wenn der Typ ja die Zeit hat einen Blog-Eintrag zu schreiben. Zu meiner Verteidigung muss ich jetzt aber sagen, dass ich heute schon neun Stunden in einem Equity-Analyst Workshop saß, in dem es nur eine 5-Minuten Pause nach sechs Stunden gab (!!!). Nicht zu verachten ist auch der Umstand, dass heute Samstag ist und morgen, sprich Sonntag, schon der nächste auf mich wartet - d.h.  11 Tage Uni am Stück mit fast täglich gestaffelten Projektabgaben. Wie auch immer, heute kriege ich nix mehr in die Birne gedrückt, deshalb brauche ich mal etwas Ausgleich in Form von Blogeintragsverfassung. So nun genug Rumgeheule, ich werde jetzt mal etwas zu meinen Kursen schreiben.

 

Ethics in Accounting & Finance (Ethik im Rechnungswesen und Finanzierung) – Ich hatte vor einiger Zeit in der Welt mal ein Interview mit dem Dalai-Lama gelesen, welcher sagte, dass alle Banker (im weiteren Sinne) einen Ethik Kurs belegen sollten. Dieses Interview hat mich dann also wirklich dazu bewegt einen solchen Kurs zu wählen. Nach der ersten Stunde habe ich aber gemerkt, dass es hier nur wie im Konfirmandenunterricht zugehen wird – ganz fix wieder abgewählt. Außerdem denke ich nicht, dass ich auf diesem Gebiet irgendwelche Defizite habe.

 

Real Estate Development & Finance (Immobilien Entwicklung und Finanzierung). Da Seth’s Daddy (mein LA - Kumpel) der dickste Immobilen-Hai von ganz Kalifornien ist und ich gesehen hab was für Annehmlichkeiten das mit sich führen kann,  dachte ich mir, dass ein kleiner Blick in dieses Ressort sicherlich nicht schaden kann. Der Professor war zwar einer der lustigen Sorte aber auch der größte Angeber den ich je gesehen. In der ersten Stunde hat er uns nur von seinen etlichen Milliarden Dollar-Firmen, seinen Autos und Häusern erzählt. Damit ich ihm das nächste mal nicht vor die Füße breche, habe ich den Kurs sicherheitshalber auch gleich wieder abgewählt.

 

Investments – Super Investitionstheoriekurs mit einem echt tollen Professor. Der sieht aus wie Arnold Schwarzenegger und hat auch genauso viel Energie. Dieser Kurs spezialisiert sich hauptsächlich in Portofoliotheorie.

 

Financial Accounting Seminar – Hier muss ich zugeben, dass ich bereits einiges an Vorwissen habe. Allerdings nur theoretisches Vorwissen. Der ist der Kurs sehr praktisch orientiert, und deshalb lerne ich noch sehr viel im Unterricht. Ein weiterer Grund ist sicherlich auch der Professor, welche schon an Yale und Columbia unterrichtet hat und die Wall Street Analysten von Morgen Stanley in New York ausbildet. (Zuletzt auch die Banker von Lehman Brothers – damit sollte man aber nicht zu sehr angeben). Auf jeden Fall ein sehr schlauer Fuchs, ein super nett Typ und ein echt klasse Unterricht.

 

Energy Fundamental & Trading (Energie Grundlagen und Handel) – Dieser Kurs lehrt neben den Grundlagen der Branche hauptsächlich den Handel mit Energie-Rohstoffen und anderen Energie-Produkten. Das attraktive an dem Kurs ist, dass er im brandneuen 2,5 Millionen US$ Trading-Raum der Uni unterrichtet wird. Dort können – wie auf den echten Trading-Floors in New York oder Chicago - in Echtzeit eben jene Güter gehandelt werden, Anschreien inbegriffen. Der Professor kann dann jederzeit fiese Szenarien generieren und damit unsere Trading-Strategien auf den Prüfstand stellen. Da ich momentan aber noch zu viele Kurse habe, steht der Kurs ganz oben auf der Abschussliste. Der ist zwar sicherlich total interessant, aber das ist hier halt irgendwie jeder Kurs und irgendeiner muss halt weg.

 

 Trading RoomTrading Room

 

Financial Modelling – Der Professor sieht aus wie zwölf und hat ne ganz schlimme 80er Jahr Frisur. Nichtsdestotrotz ist das einer von der ganz schlauen Sorte – vor New Orleans hat er sieben Jahre lang komplexe Phyiskmodelle in Moskau entwickelt und unterrichtet. Mit dem Kurs tue ich mir momentan noch etwas schwer – der Junge ist extrem fix und die den Modellen unterliegenden Theorien hab ich zum Teil noch nicht gehabt (der entsprechende Kurs  fängt erst im Oktober an). Immerhin ist es beruhigend zu sehen, dass die menschlichen Taschenrechner in meinen Kurs (Chinesen und Inder) dann auch schon mal auf Stand-by schalten müssen. Ich werde den Kurs aber durchziehen – wird schon irgendwie klappen.

 

Fixed Income Analysis – Dieser Kurs fängt erst eben im Oktober an und beschäftigt sich mit Finanzprodukten mit fixen Einkommen (Anleihen, Finanzderivate etc.)

 

Valuation and Financing Enterprises (Unternehmensbewertung und –Finanzierung). Spezialisierungskurs in dem oben genannten Tätigkeitsbereich. Der Professor war bei der Army und ich bin mir fast sicher, dass er immer noch denkt dabei zu sein. Zumindest fühle ich mich manchmal wie im Bootcamp. Trotzdem hat er viel auf dem Kasten und ich kann bei ihm sicherlich ne Menge lernen.

 

Burkenroad Reports – Dieser Kurs in eine echte Granate. Burkenroad Reports ist das Excellenz-Programm der Business School – gelobt von Wall Street Journal, New York Times, CNN etc.-  und in seiner Form einzigartig in den USA. Um an einen der 60 Plätze zu kommen,  musste ich eine extra Bewerbung mit Fragebogen, Noten-Transkript und Lebenslauf beifügen. Was mach ich dort? – Im Grunde genommen, dass praktisch anwenden, was ich in den anderen Finanzkursen hier so gelernt habe. Am Ende müssen wir dann in kleinen Gruppen einen Analysten-Report zu einer zugeteilten Firma anfertigen. Die Krux – unsere Analysen werden dann an 55.000 institutionelle Investoren verteilt, welche dann ihre Investitionsentscheidungen davon abhängig machen. Darüber hinaus bilden unsere Reports auch eine Entscheidungsgrundlage für den Tulane Mutual-Fund (75 Millionen US$ – klein aber fein). Darüber hinaus fahren wir auf Kosten der Uni zu der Firma und werden das Top-Management der Firma interviewen (sprich CEO, CFO, COO, etc.). Die Philosophie des Kurses ist dabei sich auf Unternehmen mit kleiner oder mittlerer Marktkapitalisierung zu analysieren. Dies basiert auf der Annahme, dass die großen Unternehmen effizient sind (und eh schon von einer Menge Analysten abgedeckt wird), wobei in kleinen Unternehmen durch Ineffizienz noch viel Wertzuwachspotential haben. „Stock under Rocks“. Unser 4-Mann Team wird dabei die Cleco Corporation analysieren; ein kleines Energieunternehmen aus Alexandria, Lousiana mit einem kleinem Atomkraftwerk. Man hat uns gesagt, dass dieser Kurs “extrem schwer” sei - naja, das hab ich schon öfters gehört, das wollen wir erstmal abwarten. Im Laufe des Programms werden wir auf jeden Fall von allen möglichen Experten gecoacht – unter anderem kommt Howard Marks zu uns, welcher nach Aussage unseres Professors „die wichtigste Stimme der internationalen Investmentgemeinde“ sei. Dieser Part wurde letztes Jahr übrigens von keinem geringeren als Warren Buffet übernommen – seines Zeichens legendärer Investor, reichster Mann der Welt und Finanzberater von Obama. Achja, und der Professor ist auch super.

 

Nun drängt sich natürlich der Vergleich zur Copenhagen Business School auf. Meiner Meinung ist das aber schwer zu vergleichen. Während zuhause der Unterricht viel theoretischer ist und sehr viel gelesen werden muss, wird in den USA sehr viel Wert auf praktische Anwendung gelegt. Und das ist auch genau das was ich will – mit praxisorientiertem Accounting und Finance Unterricht Excel zum glühen bringen. Auch wenn die Amerikanische Studenten in Sachen Praxis den Europäischen voraus sind; in sauberer wissenschaftlicher Arbeit mangelt es aber Vielen hier. Ein weiterer Unterschied ist, dass hier andauernd Leistung abgefordert wird, während in es Europa meistens nur ein einziges finales Examen am Ende gibt. Wie gesagt, ich finde man kann hier nur schwer Vergleiche anstellen.

 

Die A.B. Freeman School of Business der Tulane University – sprich meine Business School – ist die älteste Business School der USA. Und das merkt man auch wenn man über den Campus schlendert: Viele alte Gebäude im römisch angehauchten Stil, großzügige Grünflächen und große alte Eichen. Sie wurde von jüdischen Einwanderern gegründet – was sich heute noch dadurch zeigt, dass wir zu allen möglich jüdischen Feiertagen keinen Unterricht haben. Den Studenten bieten die Uni übrigens auch noch Shuttles an, die einen kostenfrei vor die Haustür kutschieren. An den Wochenenden kann man die Shuttles sogar nach einer durchzechten Nacht im French Quarter rufen – auch dies ist gratis. Nicht zu vergessen ist auch das die Masterstudenten (von denen es nicht viele gibt) ihr eigenes Gebäude habe, was deutlich komfortabler ist als die Hütte für die Bachlors. Was natürlich hier auch nicht fehlen darf ist das Uni-Branding, sprich man kann alle möglichen Produkte mit dem Logo/Schriftzug der Tulane University kaufen.

 

Wie auch immer, ich muss jetzt mal langsam zum Ende kommen. Ich habe eigentlich noch 1000 andere Dinge zu erzählen, aber irgendwann muss ich auch mal ins Bettchen.

 

Tulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusTulane CampusNur für MastersBlick von Uni auf NOLA Skyline -links unten ist der Superdome zu sehenDie Bachelors ziehen ein - mit sieben FedEx Trucks!GangTulane CampusDamit mit man es nicht vergisst…

 

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New Orleans

Samstag, August 22nd, 2009

Die erste - und wahrscheinlich anstrengenste Woche - ist rum. Was ich von New Orleans (Kurzform: NOLA von New Orleans, LousiAna) war schon sehr beeindruckend. Definitiv eine Stadt mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite das einzigartige Flair, Kultur, Essen, Wetter und das sehr schöne Stadtbild. Dem gegenüber stehen die Narben von Katrina und die hohe Kriminalität. Über letzteres will ich hier aber nicht viel schreiben, schließlich will ich ja keinen in Sorge versetzten und eigentlich ist auch das Risiko durch die Kriminalität durch einfache und klare Regeln zu minimieren.

Aber nun schön der Reihe nach. Angefangen hat alles noch Phoenix, wo es sehr heiß und sehr trocken war. Via Dallas/Ft. Worth (was aus der Luft wie Flensburg aussieht - siehe Bild) ging es dann endlich nach New Orleans, wo es immer noch sehr heiß ist, aber diesmal eben auch extrem feucht. Wenn man aus dem Flughafen vor die Tür tritt ist etwa so als bekomme man einen heiße, nassen Lappen ins Gesicht geschleudert. Die ersten paar Tage haben wir eigentlich nur damit verbracht eine Unterkunft zu finden. Die Uni hat uns einige Möglichkeiten angeboten, wovon wir dann auch eine genommen haben nach intensiver Recherche im freien Markt. So wohnen wir nun in unserem eigenen Haus, 20 Minuten zu Fuß/ 5 Minuten mit dem Fahrrad von der Uni entfernt. Mit wir meine ich Thomas, Torben (Dänemark) und Karin (Österreich). Adresse gibt es auf Anfrage.

 Unsere StraßeUnser HausUnser HausWohnzimmerKüche

Wenn ich jemanden in Europa erzählt habe, dass ich nach New Orleans gehe, habe mich viele Leute gefragt was ich dann dort wolle. Wenn ich jemanden in Los Angeles oder Phoenix erzählt habe, dass ich nach New Orleans gehe habe ich immer Begeisterung hervorgerufen – denn die New Orleans, auch „The Big Easy“ genannt, ist vor allem in den USA für ihre Party-Qualitäten bekannt und berüchtigt. Öffentliches Trinken auf der Straße erlaubt (fast überall woanders in den USA verboten), Bar und Clubs haben bis 6 Uhr morgens offen oder schließen gar nie (fast überall woanders in den USA schließen die Bars um 2 Uhr), Alkohol im Supermarkt (fast überall woanders in den USA gibt es Alkohol nur in extra Läden zu kaufen), rauchen überall erlaubt (fast überall woanders in den USA verboten), man ein Getränk von einer Bar in die andere mitnehmen(fast überall verboten) und vor allem: MARDI GRAS jedes Wochenende, d.h. überall wird zu Lifemusik gefeiert. Die Balkone im French Quarter sind gefüllt und bilden eine Verbindung zu den Parties auf der Straße und in den Bars/Clubs. Viel zu sehen sind auch die Mardi Gras Perlenketten (Beads), die zum Mardi Grass Karneval durch die Gegend geworfen werden (welche dann ganzjährlich in den Bäumen hier hängen bleiben). Neben einer sehr ausgeprägten Partykultur, gibt es auch eine ebenso ausgeprägte Jazzkultur, wobei es hier sicher große Schnittmengen gibt. Überall wird hier Jazz gespielt, aus den Lautsprechern am Flughafen, in den Taxis, Einkaufsmärkten und vor allem natürlich Live in vielen Bars. Das kann man sich dann ungefähr so vorstellen wie es das Titelbild meines Blogs zu suggerieren versucht. Einhergehend damit ist auch der Konsum und das Angebot von Zigarren.

 

Das Stadtbild von New Orleans enttäuscht meine Erwartungen auch in keinster Weise. Ganz im Gegenteil – alles ist noch extremer als ich es mir vorgestellt habe. In New Orleans – schönste Stadt im Süden der USA und Schmelztiegel verschiedener Kulturen – hat sich ein ganz eigener Flair, ein ganz eigener Stil entwickelt. Das gilt besonders für das French Quarter (für das ich bei Gelegenheit auch mal ordentliche Bilder nachliefern werden, alle Bilder bis jetzt sind eher Zufallsfunde). Aber auch der Rest von NOLA ist gesäumt von alten Häusern im viktorianischem Baustil, Palmen und alten stämmigen Eichen dessen Wurzeln fast überall die Gehwege aufgebrochen haben. Nicht zu vergessen sind die alten Schaufelraddampfer auf dem Mississippi.

NOLANOLANOLANOLANOLAFrench QuarterFrench QuarterFrench QuarterBeadsDallas,TX von oben - wie zuhause

Auch eine einzigartige Essenkultur wird hier gelebt – die kreolische Cajun Küche. Das heißt dann „Oyster Estoufè“, „Jambalya“ oder „Gumbo“. Dabei wird viel mit Schrimps, Krabben, Krebsen, Hummer, Krokodil und vor allem Tabasco gekocht - zu sehr fairen Preisen. Besonders Tabasco ist hier sehr populär. In jedem Supermarkt sind eigentlich zehn verschieden Sorten der Soße zu finden, es gibt Tabasco Chips, Majonaise und sogar Tabasco-Kekse und Tabsco- Kuchen. Dazu wird nicht selten „Southern Comfort“ getrunken, einen Whiskey Likör aus New Orleans. Wenn man auf die Flasche schaut kann man den Riverbend erkennen, dem Ort wo der Mississippi in NOLA eine enge Kurve zieht und ungefähr dort, wo die Uni und meine Unterkunft liegt.

Teller: Jambalaya, Suppe: GumboHummerKrebs EtouffeTabasco Chips

Vielleicht nicht einzigartig, aber dafür als sehr extrem kann man das Wetter hier beschreiben. Dieses gilt als sehr unberechenbar hier - es kann sich hier blitzschnell ändern. Z.B. hatten wir letztens auf dem Weg zu Wall Mart noch strahlenden Sonnenschein, als wir dort fertig waren hat es dann so heftig geregnet wie es vielleicht das letzte mal vor 3 Jahren in Flensburg erlebt habe. Was ich aber noch nie erlebt habe ist, dass es wirklich fast 1 1/2 Stunden so heftig durchgeregnet hat. Auf dem Weg nach Hause stand unser Taxi dann fast manchmal bis zu den Türen im Wasser. Unser Vermieter sagte und aber, dass das noch gar nicht gewesen sei im Vergleich dazu was sich noch alles in der jetzt beginnenden Hurrikane Saison abspielen wird. Er berichtet von faustgroßen Tropfen, welche 4-5 Stunden ununterbrochen auf die Erde prasseln sollen. Wir werden sehen. Im Allgemeinen brüllt eigentlich immer irgendwo ein Gewitter, zwei von solchen heftigen Gewittern gibt es momentan fast täglich und die Gewitterwolken türmen sich so hoch auf wie es nie zuhause gesehen habe. Der Regenschirm ist also ein Pflichtutensil hier, genauso wie der Pullover für den Eisschrank namens Tulane University.  

 

Ankunft am FlughafenGewittersturmGewittersturmÜberflutungUnsere Straße nach einem Gewitter

Was Hurrikane angeht, ist man hier eigentlich bestens versorgt. Wir hatten hier schon ein Info-Meeting über Hurrikane und mussten uns dort mit einem Rettungsplan registrieren, für dann Fall, das die gesamte Stadt evakuiert werden muss. Sobald ein Hurrikane den Golf von Mexico erreicht, entscheiden die Uni darüber ob evakuiert wird oder ob lediglich die Uni geschlossen wird. Im Evakuierungsfall komme ich aber in Mobile, Alabama bei Freunden meines Mitbewohners unter oder wir werden von der Uni aus in Bussen in eine Sporthalle nach Jackson, Mississipi transportiert. Dies ist dann doch um Welten besser als eine Evakuierung in den Superdome, in dem es während Katrina ja schrecklich gewesen sein muss. Fast keine Hygiene, wenig Wasser und Essen, Raub und sogar Morde sollen sich in der Sporthalle geschehen sein, welche die letzte Zuflucht für die war, die zu spät versucht haben die Stadt zu verlassen. Es gibt aber auch viele Stürme bei denen nicht evakuiert wird. Trotzdem kann da denn schon mal der Strom für mehrere Tage ausfallen, deshalb wird hier geraten genug Wasser, Lebensmittel und Taschenlampen zu lagern (Was wir auch schon getan haben).

 

Im Allgemeinen hat Katrina die Stadt sehr hart getroffen. Vier Jahre danach ist zwar vieles neu aufgebaut worden, vieles ist aber immer noch im Aufbauprozess, manchmal findet man sogar noch ganze Straßenzüge, die noch voll zerstört sind. Unser Viertel wurde damals nicht so sehr überflutet, da wir hier in Uptown und neben einem Friedhof wohnen, welche aufgrund des hohen Grundwasserspiegels, immer recht hoch liegen muss. Nichtsdestotrotz hat Katrina auch hier ihre Spuren hinterlassen. Ein Tornado (welche in einem Hurrikane entstehen können) hat die Werkstatt von meinem Vermieter plattgewalzt und damit einen Schaden von 80.000 USD angerichtet. Was auch noch sehr auffällt, sind die Codes die damals von der Polizei nach Überprüfung an jedes Haus gesprüht worden sind bevor die Stadt wieder freigegeben worden ist. Ich hab mal den Code von meinem Vermieter fotografiert, welcher folgend decodiert wird: 9-11 ( 11. September, Tag der Überprüfung), BP (Boston Police, damals hat man Polizisten aus den ganzen USA zusammengerufen um alle Häuser zu überprüfen), NE ( No Entry, heißt die Polizisten haben das Haus nur äußerlich gecheckt und haben es nicht aufgebrochen.)

 

Katrina Polizei CodeKatrina HausKatrina HausKatrina HausKatrina Haus

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Phoenix

Dienstag, August 11th, 2009

Der Unterschied könnte nicht krasser sein. Morgens noch wurde ich noch in einer Edelkarosse von Seth’s Angestellten nach LA Downtown zur Busstation gefahren, mittags sitze ich  dann im engen und heißen Greyhound-Bus. Letzterer wird wenn möglich von Amerikanern gemieden, so dass man im Greyhound nur auf Menschen trifft, welche sich weder Auto noch Flug leisten können. Auch die klimatisch musste man einiges Einstecken können. Während es in LA noch milde 22 °C waren, schossen die Temperaturen in Indio, CA – unserem ersten Stopp – schon auf 48 °C. Zwar ist dies eine trockene Hitze – aber brennen tut es trotzdem auf der Haut. In Phoenix wurde ich dann von Olaf  mit seinem Baron Cabrio abgeholt. Allerdings kann man in der Mittagssonne nur geschlossenem Verdeck fahren, es sei man wollte schon immer mal wissen wie es sich anfühlt ein Würstchen in der Pfanne zu sein.

Olaf selber kommt im Airline Training Center Arizona – kurz ATCA – auch bekannt als ATCAtraz - in Good Year unter, einem Vorort von Phoenix. Phoenix selber ist mit 5,5 Millionen Einwohner einer der größten Städte der USA. Viel zu sehen gibt hier allerdings nicht, außer Wüste und Shopping Malls mit großen Parkplätzen. Angeblich kann man durch ganz Phoenix auf Parkplätzen fahren. (Übertreibung dient illustrativen Zwecken) Ich frage mich wirklich wer hier freiwillig wohnen möchte. Nichtsdestotrotz hatte ich eine tolle Zeit.

Am Mittwoch haben wir versucht in den Estrella Mountains  zu wandern. Wir wussten, dass es dort heiß ist und haben deshalb vorbildlich gepackt und  uns gekleidet, sowie mit 2,4 Km eine relativ niedliche Strecke ausgesucht. Allerdings war es so extrem heiß, da wir nach 400 Metern aus Sicherheitsgründen entschieden haben umzukehren. Das war auch bitter nötig, denn als wir nach einer halben Stunde und 800 Metern wieder am Auto angekommen sind, war unser Wasser schon zur Hälfte weg und ich fast mental auch. Der nächste Starbucks hat dann Abhilfe geschaffen – allerdings musste dafür noch mal einer dieser Parkplätze überquert werden auf dem ich fast wieder zusammen geklappt wäre. Ich hätte nie gedacht, dass die Hitze so schnell einem aus der Bahn werfen kann. Von diesem Tag an haben extreme Temperaturen deutlich an Respekt bei mir gewonnen.
Phoenix, DowntownEstrella SP48 °C - Estrella SPKurz vor Ende/AusWildflower Bread Soup Bowl

Am Donnerstag sind wir dann nach Sedona, AZ gefahren. Sedona ist ein sehr berühmtes Künstlerdorf inmitten der Red Rocks. Dort sind wir dann in den Slide Rock State Park gefahren, in dem man – wie der Name schon erahnen lässt – auf Felsen einen Fluss herunterrutschen kann. Vielmehr reizten aber dann doch die Klippen von denn man springen kann. Bei 7-8 Metern war dann aber auch für mich das Limit erreicht. Auf der Rückfahrt sind wir dann noch in Jerome, AZ vorbeigekommen. Dieses Örtchen liegt hoch an einem Hang an einer Serpentinenstraße, von welcher man einen unglaublichen Blick auf die Red Rocks – Landschaft hat.

Olaf’s BaronSedona, AZSlide Rock SP - Sedona, AZbei Prescott, AZ

Am Freitag bin ich dann – da Olaf fliegen musste – mit seinen zukünftigen Kollegen nach Tempe gefahren, einen Universitätsvorort mit einer großen Auswahl an Bars. An dieser Stelle seien auch die diversen Rituale zu erwähnen, welche Neuankömmlinge oder frische Soloflugschüler über sich ergehen lassen müssen. Solche „Welcome“ oder „Solo-Parties“ arten dann schon mal gerne ziemlich aus. Natürlich sieht man davon nichts in den Reportagen von Pro7 oder VOX – der ein oder andere würde wohl nie wieder ein Flugzeug besteigen.

Good Year Flugzeug FriedhofKäpt’n OlafSimulatorGoodyear Airliner Cemetery

Zum Abschluss haben wir uns dann zum Ziel gesetzt die amerikanische Waffenkultur zu erkunden. Welcher Ort eignet sich dort besser als ein Schießverein? Einfach am Gäste Check-in angestellt, den Ausweis abgegeben, vier Minuten Einführungs-Video gesehen, ein paar Unterschriften und schon konnte wir uns dem Waffenarsenal nehmen was uns lieb ist. Den Anfang machte eine halb-automatische Glock mit jeweils 50 x 11,4 mm Schuss. Es folgte dann das voll-automatische G36 Sturmgewehr mit jeweils 2×25x 6mm. Neben unserer Stand waren zwei übrigens Halbstarke mit einer M6 zugange, noch ein Stand weiter ein ca. 12 Jähriger der  mit seinem Vater munter mit einem Colt am rumballern durfte. Da ich auf diesem Gebiet ja noch recht jungfräulich unterwegs gewesen war, bin natürlich zu einigen Erkenntnissen über Waffensport gekommen: 1.) Waffen sind viel lauter als in der Glotze 2.) Auch eine Handfeuerwaffe kann schon mächtig Rückstoß haben 4.) Jeder Idiot kann sich eine Waffe zulegen 3.) Schießsport ist teuer und 4.) es gibt mir nicht wirklich etwas, ich muss es nicht noch mal machen. Alleine schon der letzten Erkenntnis wegen hat es sich gelohnt so etwas einmal ausprobiert zu haben. Und damit sollte ich jetzt vor allem meine Oma wieder beruhigt haben.
GlockGlockGlockG36G36G36

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$$$ Los Angeles $$$

Dienstag, August 4th, 2009

Los Angeles - kaum eine Stadt polarisiert wohl wie diese. Die einen hassen sie . kategorieren als hässlichen und lebensfeindlichen Moloch. Die anderen strömen in Massen zu den Stränden und Vierteln in West LA & Malibu.  Zugegeben, die Stadt macht es nicht einem nicht leicht. 14 Millionen Einwohner, fast genausoviele Auto`s, hunderte Radiostation, die hälfte davon auf Spanish. 10 Suprige Highways, der Smog, der kapitalismus per Excellance. Besonders letzteres trägt massiv zur Reizüberflutung und Erschöpfungserscheinungen bei Neulingen bei. Alles was das Herz begehrt wird hier einem pentrant vor die Nase gehlten auf riesigen Plakaten an jeder Straßenecke, im Radio oder Fernseher: Pfannkuchen mit Oreokecksen oder Baconaise – die Mayonaise mit Bacongeschmack.

KalifornienLA

Mein persönliches LA- Abenteuer könnte allerdings nicht besser sein können. Zu verdanken habe ich das sicherlich zu großen teilen meinem Freund Seth, den in Kopenhagen kennengelernt habe und welcher mich für ein Wochenende in sein Anwesen in Bel Air eingeladen hat. Was hier pompös klingt, ist es auch. In bester Lage am Sunset Blvd. mit Tennisplatz, Pool, zwei 24 Std. Angstellten und einem Fuhrpark voller Edelkarossen – Von Maserati über Land Rover bis Mercedes AMG, sowie mit (ehml.) Michael Jackson und der Playboy Mansion einen illustre Auswahl an Nachbarn. Erwartungsgemäß pompös wurde mir dann auch der Empfang bereitet. Noch gleich am Donnerstag sind wir nach Hollywood um erst in der Skybar – eine Poolbar mit Ausblick auf die Lichter der ganzen Stadt – und dann im Hyde – einem kleinen von Papperazzi belagerten  auf dem Sunset  Blvd. zu feiern. Alles ohne warten, da Seth dort jeden kennt. Besonders der Hyde Club war super mit noch nie erlebter Qualität der musikalischen Untermalung.

Seth`s PlaceMein Zimmer
Da Seth am Freitag arbeiten musste war ich erstmal auf mich alleine gestellt. Mehr oder weniger – mein Frühstück wurde mir von den Angestellten serviert. -jegliche Hilfsangebote bei der Zubereitung sowie beim Abwaschen stießen auf Taube Ohren. Mir sollte es recht sein. Mit meinem Mietwagen bin ich dann nach Marina del Ray gefahren um mit Saki mittag zu essen – Saki habe ich vor 8 Jahren bei meinem EF Aufenthalt in Los Angeles kennen gelernt und seit dem jedes mal besucht als ich in der Stadt war. Den Nachmittag habe ich dann im Getty Center verbracht – einem bekanntem Museum in den Hügeln von Bel Air mit beeindruckender Architektur und Kunstsammlung  - Gemaltes von Rembrand oder Fotografiertes von Man Ray. Auf Seth`s Vater`s Kosten waren wir dann im angeblich besten (und sicher teuerstem) Sushi Restaurant der Stadt – zu meinem Erstaunen war es dann auch wirklich sehr lecker und füllend.  Noch ein ein paar Drinks im Beso auf dem Hollywood Blvd., das Restaurant von Eva Langoria bevor wir dann den Abend im MyHouse in Hollywood verbracht haben.

Getty Center405 NorthKOI - La CienegaBeso - Hollywood Blvd.My House - Sunset Blvd.My House - Sunset Blvd.

Am nächsten morgen ging es uns dann auch erwartungsgemäß suboptimal Kein Anlass um sich zu entspannen für Seth. Forsch wurde ein Liquor Store in Beverly Hills geplündert um dann mit Freunden den Nachmittag am Pool zu verbringen. Gegen 22h mussten wir uns dann aber im Kampf gegen das Sandmännchen geschlagen geben.
Frühstück wurde auswärts gegessen und mal wieder vom Vater Cohen bezahlt. Was folgte war dann ein super entspannender Nachmittag mit Freunden in Zuma Beach in Malibu, einem unglaublich schönen Flecken Erde. Zum Abendessen waren wir dann zu Freunden der Familie der Familie in den Hills eingeladen. Essen war super – nur leider musste ich mir den ganzen Abend anhören was Obama für ein Schwachkopf sei und wie sehr seine Frau einem Affen ähnelt. Meine gefragten Diskussionsbeiträge zur Obama`s Bildungs- und Gesundheitspolitik wurde zwar zu Kenntnis genommen aber als elitäres europäisches Geschwafel abgestempelt – nicht alle in Kalifornien sind so liberal wie oft behauptet wird. Danach sind wir wieder nachhause, wo wir uns dann wieder mit ein paar Freunden von Seth getroffen haben. Alles Kinder reicher Eltern – z.B. hab ich dort den Sohn von Sergio Mendes kennengelernt. Wir sind dann alle zusammen wir noch mal ins Hyde nach Hollywood, welcher mit ca. 100 Leute fast unerträglich voll war – was daran lag das einige Fußballer vom FC Barcelona im Club waren, die hatten am Samstag ein Spiel gegen Los Angeles Galaxy. Achja und die Tochter von David Hasselhof war auch da –  genau diejenige die das legendäre Burger Video gemacht und veröffentlicht hat.

Seth`s PlaceSeth`s PlaceSeth`s PlaceSeth’s PlaceMichael Jackson’s HausMalibuMalibuMalibu - Zuma BeachHyde - Sunset Blvd

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