Tulane University
Sonntag, August 30th, 2009Diesen Eintrag möchte ich gerne ganz meiner Uni widmen – besonders da ich nach meiner Toronto-Berichtserstattung den einen oder anderen Kommentar anhören musste a la: “Du faule Ratte machst ja nur Party, gehst auch mal zur Uni?”. Zugegeben, Party war kein unerheblicher Teil meines damaligen Exchanges, nur, dass damals nicht meine Noten darunter gelitten haben – Bestnote in fast allen Fächern. Kurz gesagt, die Ausbildung damals in Toronto war für die Tonne.
Auch wenn es viele nicht glaube wollen, aber diesmal hab ich bewusst die Tulane University gewählt, weil diese mir am besten bei der Umsetzung meiner akademischen Ziele helfen kann. Damit das jetzt nicht zu geeky klingt, muss ich natürlich zugeben, dass die kulturellen Aspekte New Orleans’ auch eine gewisse Gewichtung gehabt haben. Leider kommen diese Aspekte viel zu kurz seitdem die Uni richtig angefangen hat – bzw. sie sind gar non-existent. Momentan bringt mich die Uni auf jeden Fall fast um. Überrascht darüber bin ich aber nicht – schließlich sind fast alle meine Kurse aus dem sechst besten Finanz-Studienganges der Welt (Financial Times Ranking). Aber auch hier wird nur mit Wasser gekocht und deshalb denke/hoffe ich das sich dieser enorme Stress bald in gesunden Stress wandeln wird. Der ein oder andere Schlaumeier wird sich jetzt sicher denken, dass der Stress ja gar nicht so schlimm sein kann, wenn der Typ ja die Zeit hat einen Blog-Eintrag zu schreiben. Zu meiner Verteidigung muss ich jetzt aber sagen, dass ich heute schon neun Stunden in einem Equity-Analyst Workshop saß, in dem es nur eine 5-Minuten Pause nach sechs Stunden gab (!!!). Nicht zu verachten ist auch der Umstand, dass heute Samstag ist und morgen, sprich Sonntag, schon der nächste auf mich wartet - d.h. 11 Tage Uni am Stück mit fast täglich gestaffelten Projektabgaben. Wie auch immer, heute kriege ich nix mehr in die Birne gedrückt, deshalb brauche ich mal etwas Ausgleich in Form von Blogeintragsverfassung. So nun genug Rumgeheule, ich werde jetzt mal etwas zu meinen Kursen schreiben.
Ethics in Accounting & Finance (Ethik im Rechnungswesen und Finanzierung) – Ich hatte vor einiger Zeit in der Welt mal ein Interview mit dem Dalai-Lama gelesen, welcher sagte, dass alle Banker (im weiteren Sinne) einen Ethik Kurs belegen sollten. Dieses Interview hat mich dann also wirklich dazu bewegt einen solchen Kurs zu wählen. Nach der ersten Stunde habe ich aber gemerkt, dass es hier nur wie im Konfirmandenunterricht zugehen wird – ganz fix wieder abgewählt. Außerdem denke ich nicht, dass ich auf diesem Gebiet irgendwelche Defizite habe.
Real Estate Development & Finance (Immobilien Entwicklung und Finanzierung). Da Seth’s Daddy (mein LA - Kumpel) der dickste Immobilen-Hai von ganz Kalifornien ist und ich gesehen hab was für Annehmlichkeiten das mit sich führen kann, dachte ich mir, dass ein kleiner Blick in dieses Ressort sicherlich nicht schaden kann. Der Professor war zwar einer der lustigen Sorte aber auch der größte Angeber den ich je gesehen. In der ersten Stunde hat er uns nur von seinen etlichen Milliarden Dollar-Firmen, seinen Autos und Häusern erzählt. Damit ich ihm das nächste mal nicht vor die Füße breche, habe ich den Kurs sicherheitshalber auch gleich wieder abgewählt.
Investments – Super Investitionstheoriekurs mit einem echt tollen Professor. Der sieht aus wie Arnold Schwarzenegger und hat auch genauso viel Energie. Dieser Kurs spezialisiert sich hauptsächlich in Portofoliotheorie.
Financial Accounting Seminar – Hier muss ich zugeben, dass ich bereits einiges an Vorwissen habe. Allerdings nur theoretisches Vorwissen. Der ist der Kurs sehr praktisch orientiert, und deshalb lerne ich noch sehr viel im Unterricht. Ein weiterer Grund ist sicherlich auch der Professor, welche schon an Yale und Columbia unterrichtet hat und die Wall Street Analysten von Morgen Stanley in New York ausbildet. (Zuletzt auch die Banker von Lehman Brothers – damit sollte man aber nicht zu sehr angeben). Auf jeden Fall ein sehr schlauer Fuchs, ein super nett Typ und ein echt klasse Unterricht.
Energy Fundamental & Trading (Energie Grundlagen und Handel) – Dieser Kurs lehrt neben den Grundlagen der Branche hauptsächlich den Handel mit Energie-Rohstoffen und anderen Energie-Produkten. Das attraktive an dem Kurs ist, dass er im brandneuen 2,5 Millionen US$ Trading-Raum der Uni unterrichtet wird. Dort können – wie auf den echten Trading-Floors in New York oder Chicago - in Echtzeit eben jene Güter gehandelt werden, Anschreien inbegriffen. Der Professor kann dann jederzeit fiese Szenarien generieren und damit unsere Trading-Strategien auf den Prüfstand stellen. Da ich momentan aber noch zu viele Kurse habe, steht der Kurs ganz oben auf der Abschussliste. Der ist zwar sicherlich total interessant, aber das ist hier halt irgendwie jeder Kurs und irgendeiner muss halt weg.
Financial Modelling – Der Professor sieht aus wie zwölf und hat ne ganz schlimme 80er Jahr Frisur. Nichtsdestotrotz ist das einer von der ganz schlauen Sorte – vor New Orleans hat er sieben Jahre lang komplexe Phyiskmodelle in Moskau entwickelt und unterrichtet. Mit dem Kurs tue ich mir momentan noch etwas schwer – der Junge ist extrem fix und die den Modellen unterliegenden Theorien hab ich zum Teil noch nicht gehabt (der entsprechende Kurs fängt erst im Oktober an). Immerhin ist es beruhigend zu sehen, dass die menschlichen Taschenrechner in meinen Kurs (Chinesen und Inder) dann auch schon mal auf Stand-by schalten müssen. Ich werde den Kurs aber durchziehen – wird schon irgendwie klappen.
Fixed Income Analysis – Dieser Kurs fängt erst eben im Oktober an und beschäftigt sich mit Finanzprodukten mit fixen Einkommen (Anleihen, Finanzderivate etc.)
Valuation and Financing Enterprises (Unternehmensbewertung und –Finanzierung). Spezialisierungskurs in dem oben genannten Tätigkeitsbereich. Der Professor war bei der Army und ich bin mir fast sicher, dass er immer noch denkt dabei zu sein. Zumindest fühle ich mich manchmal wie im Bootcamp. Trotzdem hat er viel auf dem Kasten und ich kann bei ihm sicherlich ne Menge lernen.
Burkenroad Reports – Dieser Kurs in eine echte Granate. Burkenroad Reports ist das Excellenz-Programm der Business School – gelobt von Wall Street Journal, New York Times, CNN etc.- und in seiner Form einzigartig in den USA. Um an einen der 60 Plätze zu kommen, musste ich eine extra Bewerbung mit Fragebogen, Noten-Transkript und Lebenslauf beifügen. Was mach ich dort? – Im Grunde genommen, dass praktisch anwenden, was ich in den anderen Finanzkursen hier so gelernt habe. Am Ende müssen wir dann in kleinen Gruppen einen Analysten-Report zu einer zugeteilten Firma anfertigen. Die Krux – unsere Analysen werden dann an 55.000 institutionelle Investoren verteilt, welche dann ihre Investitionsentscheidungen davon abhängig machen. Darüber hinaus bilden unsere Reports auch eine Entscheidungsgrundlage für den Tulane Mutual-Fund (75 Millionen US$ – klein aber fein). Darüber hinaus fahren wir auf Kosten der Uni zu der Firma und werden das Top-Management der Firma interviewen (sprich CEO, CFO, COO, etc.). Die Philosophie des Kurses ist dabei sich auf Unternehmen mit kleiner oder mittlerer Marktkapitalisierung zu analysieren. Dies basiert auf der Annahme, dass die großen Unternehmen effizient sind (und eh schon von einer Menge Analysten abgedeckt wird), wobei in kleinen Unternehmen durch Ineffizienz noch viel Wertzuwachspotential haben. „Stock under Rocks“. Unser 4-Mann Team wird dabei die Cleco Corporation analysieren; ein kleines Energieunternehmen aus Alexandria, Lousiana mit einem kleinem Atomkraftwerk. Man hat uns gesagt, dass dieser Kurs “extrem schwer” sei - naja, das hab ich schon öfters gehört, das wollen wir erstmal abwarten. Im Laufe des Programms werden wir auf jeden Fall von allen möglichen Experten gecoacht – unter anderem kommt Howard Marks zu uns, welcher nach Aussage unseres Professors „die wichtigste Stimme der internationalen Investmentgemeinde“ sei. Dieser Part wurde letztes Jahr übrigens von keinem geringeren als Warren Buffet übernommen – seines Zeichens legendärer Investor, reichster Mann der Welt und Finanzberater von Obama. Achja, und der Professor ist auch super.
Nun drängt sich natürlich der Vergleich zur Copenhagen Business School auf. Meiner Meinung ist das aber schwer zu vergleichen. Während zuhause der Unterricht viel theoretischer ist und sehr viel gelesen werden muss, wird in den USA sehr viel Wert auf praktische Anwendung gelegt. Und das ist auch genau das was ich will – mit praxisorientiertem Accounting und Finance Unterricht Excel zum glühen bringen. Auch wenn die Amerikanische Studenten in Sachen Praxis den Europäischen voraus sind; in sauberer wissenschaftlicher Arbeit mangelt es aber Vielen hier. Ein weiterer Unterschied ist, dass hier andauernd Leistung abgefordert wird, während in es Europa meistens nur ein einziges finales Examen am Ende gibt. Wie gesagt, ich finde man kann hier nur schwer Vergleiche anstellen.
Die A.B. Freeman School of Business der Tulane University – sprich meine Business School – ist die älteste Business School der USA. Und das merkt man auch wenn man über den Campus schlendert: Viele alte Gebäude im römisch angehauchten Stil, großzügige Grünflächen und große alte Eichen. Sie wurde von jüdischen Einwanderern gegründet – was sich heute noch dadurch zeigt, dass wir zu allen möglich jüdischen Feiertagen keinen Unterricht haben. Den Studenten bieten die Uni übrigens auch noch Shuttles an, die einen kostenfrei vor die Haustür kutschieren. An den Wochenenden kann man die Shuttles sogar nach einer durchzechten Nacht im French Quarter rufen – auch dies ist gratis. Nicht zu vergessen ist auch das die Masterstudenten (von denen es nicht viele gibt) ihr eigenes Gebäude habe, was deutlich komfortabler ist als die Hütte für die Bachlors. Was natürlich hier auch nicht fehlen darf ist das Uni-Branding, sprich man kann alle möglichen Produkte mit dem Logo/Schriftzug der Tulane University kaufen.
Wie auch immer, ich muss jetzt mal langsam zum Ende kommen. Ich habe eigentlich noch 1000 andere Dinge zu erzählen, aber irgendwann muss ich auch mal ins Bettchen.
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